Ich werde immer wieder von Branchenkollegen, Freunden und Klienten gefragt, was ich von Lebensversicherungen halte. Meine Antwort ist immer die Gleiche: Nicht allzu viel und das hat seine Gründe. Mit dieser Meinung stehe ich allerdings nicht allein da. Das Lieblingsprodukt von vielen Vermögensberatern musste in den letzten Jahren viel Kritik einstecken. Das zeigt sich auch in den Zahlen wieder: Während das Prämienvolumen der Lebensversicherungen im Jahr 2010 noch bei 7,5 Milliarden Euro war, fiel dieser Wert im Jahr 2023 auf lediglich 5,1 Milliarden Euro – ein Rückgang von fast einem Drittel!
Aber was steckt wirklich dahinter? Was sind die Vor- und Nachteile dieser Anlageform? Und warum ist eine fondsgebundene Lebensversicherung vermutlich nicht die beste Wahl, wenn es um deine Altersvorsorge geht? Diese und weitere Fragen werde ich in diesem Beitrag beantworten.
Was ist eine fondsgebundene Lebensversicherung?
Zunächst sollten wir die fondsgebundene Lebensversicherung von ihrer kapitalbildenden Variante differenzieren.
Die kapitalbildende Lebensversicherung
Die kapitalbildende Lebensversicherung hat den Begriff „Lebensversicherung“ geprägt. Hierbei handelt es sich um eine langfristige Sparform (in den meisten Fällen zur Pensionsvorsorge), bei der der Versicherungsnehmer für einen bestimmten Zeitraum Geld in die Versicherung einbezahlt, um das Kapital inklusive Zinsen zu Pensionsantritt wieder ausbezahlt zu bekommen. Der „Versicherungsteil“ kommt daher, dass beim Ableben der versicherten Person das bisher einbezahlte Kapital zzgl. einer vorher festgelegten Ablebenssumme an die Hinterbliebenen ausbezahlt werden.
So weit, so gut. Das Problem dabei: Die Attraktivität dieses Produkts steht und fällt mit der Höhe des garantierten Rechnungszinses. Dieser lagen bis zum 31. Dezember 2016 noch bei 1,5%, wurde für die folgenden Jahren auf 0,5% gesenkt und am 01.01.2025 wieder auf 1,0% erhöht. Bei diesen Werten hält sich die Begeisterung natürlich in Grenzen. Hier kommt die fondsgebundene Variante ins Spiel.
Die fondsgebundene Lebensversicherung
Die fondsgebundene Lebensversicherung ersetzt den Garantieteil und investiert das Geld stattdessen in Investmentfonds (meist Aktien- oder Mischfonds). Wenn der Vertrag also ausläuft, werden die bis dahin erworbenen Fondsanteile verkauft und an den Versicherungsnehmer ausbezahlt. Der Ablebensschutz bleibt dabei während der gesamten Laufzeit weiterhin bestehen.
Hört sich doch eigentlich gar nicht so schlecht an, oder? Nun ja, der Teufel versteckt sich bekanntlich ja in den Details, aber fangen wir erstmal mit den Vorteilen an.
Die Vorteile einer fondsgebundenen Lebensversicherung
So wie die meisten Anlageformen hat auch die fondsgebundene Lebensversicherung einige Vorteile.
Geringer Eigenaufwand
Der Hauptgrund, weshalb viele Menschen für ihre Pensionsvorsorge auf fondsgebundene Lebensversicherungen zurückgreifen, ist wohl der geringe Eigenaufwand. Deine Arbeit als Sparer hört im Prinzip bei der Unterzeichnung des Vertrags auf und die Fondsgesellschaft kümmert sich um alles Weitere. Du muss dich somit nicht selbst mit dem (für viele sterbenslangweiligen) Thema befassen.
Rentenoption zum Laufzeitende
Ein weiterer Vorteil der fondsgebundenen Lebensversicherung ist die Rentenoption. Das bedeutet, dass du dir beim Laufzeitende aussuchen kann, ob das Kapital direkt in voller Höhe oder als lebenslange Rente ausbezahlt werden soll. Die Höhe dieser Rente wird von der Versicherungsgesellschaft kalkuliert und ist abhängig von deiner Lebenserwartung und dem Garantiezins. Gibst du vorzeitig den Löffel ab, behält sich die Gesellschaft das übrige Kapital ein. Lebst du hingegen länger als erwartet, muss die Versicherung bis zum Ableben weiterzahlen.
"Steuerersparnisse"
Der wohl am meisten umworbene Vorteil ist der ominöse Steuervorteil. Und tatsächlich existiert dieser. Es fallen bei jeder Einzahlung 4% Versicherungssteuer an, dafür sind anschließend sämtliche Gewinne steuerfrei (kein KESt). Man muss hier nur aufpassen, da es unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Nachversteuerung kommen könnte (mehr dazu hier).
Die Nachteile einer fondsgebundenen Lebensversicherung
Die Nachteile einer fondsgebundenen Lebensversicherung sind vielseitig. Ich werde mich allerdings bewusst auf die zwei größten Probleme fokussieren.
Hohe Produktkosten
Im Prinzip könnte ich bei diesem Punkt auch schon das Fazit ziehen. Bei einer monatlichen Versicherungsprämie in Höhe von 100€ werden tatsächlich weniger als 80€ gespart! Der Rest geht drauf für die Versicherungssteuer und diverse Gebühren. Aus diesem Grund wird bei den meisten Verträgen der Break-Even-Point* auch erst nach knapp 10 bis 15 Jahren erreicht! Da können die Fondsrenditen und der Steuervorteil noch so hoch sein, bei solchen Produktkosten fällt es schwer, zu glauben, dass es keine besseren Alternativen gibt. (Spoiler: Die gibt es!)

Abbildung: Sparprämie einer fondsgebundenen Lebensversicherung (Eigene Darstellung)
* Break-Even-Point = Punkt, ab dem die Kosten abgedeckt und Gewinne erzielt werden
Lange Bindung & keine Flexibilität
Natürlich macht es Sinn, dass man für die Pensionsvorsorge auch bis zur Pension dafür vorsorgt. Allerdings kann sich in 40 Jahren viel verändern, weshalb eine gewisse Flexibilität von Vorteil ist. Leider ist das bei Lebensversicherungen kaum möglich. Aufgrund der hohen Produktkosten kannst du nach einigen Jahren nicht einfach dein Geld auszahlen lassen, ohne dabei Verluste in Kauf zu nehmen. Du hast bei den meisten Polizzen zwar die Option einen Teilrückkauf zu tätigen, allerdings hilft dir das nur bedingt weiter, da durch den vorzeitigen Rückkauf der Break-Even-Point weiter nach hinten geschoben wird. Da bedeutet, dass du noch länger einzahlen müsstest, um mit einem Gewinn auszusteigen.
Hier einige Beispiele:
Die KESt wird 2030 abgeschafft und du möchtest stattdessen in ETFs investieren? Kannst du machen, aber du würdest mit einem Minus aussteigen.
Du möchtest nach 5 Jahren den Vertrag kündigen, weil du dringend Geld benötigst? Ok, allerdings stehen die Fonds gerade ungünstig und die Kosten sind auch noch nicht gedeckt, daher bekommst du nur einen Bruchteil deines einbezahlten Kapitals raus.
Nach 10 Jahren wird ein besseres Vorsorgeprodukt auf den Markt gebracht und du möchtest lieber darin investieren? Gute Idee, nur leider bekommst du bei einem vorzeitigen Rückkauf nur einen Teil deiner einbezahlten Prämien wieder zurück.
Ich denke, du weißt, worauf ich hinauswill. Da hilft es auch nicht, dass mehr als die Hälfte aller Lebensversicherungen frühzeitig und damit meist mit Verlust gekündigt werden.
Fazit: Leider nicht die beste Wahl.
Alles in allem kann ich fondsgebundene Lebensversicherung nicht empfehlen. Die Einfachheit, die Rentenoption und die KESt-Befreiung sind zwar nicht zu unterschätzende Vorteile, jedoch reicht das bei Weitem nicht aus, um die Nachteile abzudecken. Zum einen sind die Produktkosten viel zu hoch, sodass die Rendite mit alternativen Anlageprodukten nicht mithalten kann. Zum anderen bindet man sich mit dem Produkt sehr langfristig und ist dabei wenig flexibel. Hinzu kommt, dass der Ablebensschutz für viele Menschen überflüssig sein wird und eine reine Kostenposition darstellt. Es wäre meiner Meinung nach sinnvoller, für die Altersvorsorge auf günstigere und flexiblere Produkte zu setzen (z.B. ETFs) und für die Absicherung der Hinterbliebenen auf Einzelprodukte wie Ablebensversicherungen zurückzugreifen.